NaturPlus-Fischingen

ein aktiver Naturschutzverein im Hinterthurgau

Blumenwiesen

naturnahe Gärten



Die Vorstellung von Naturgarten ist eng mit dem Traum einer farbenprächtigen Blumenwiese verknüpft.

Vier von fünf Personen sehen dabei Wiesen vor sich mit dunkelvioletter Wiesen-Salbei, leuchtend rotem Klatsch-Mohn, weiss-gelben Margeriten, sonnengelbem Wiesen-Bocksbart, pinkfarbenen Wiesen-Flockenblumen und lila Wiesen-Witwenblumen. Solche Idylle lockt ein Aaahh und Ohhh hervor – und hat mit natürlich vorkommenden Blumenwiesen nicht allzu viel zu tun. Es sind kurzlebige Samenmischungen von „Wildblumenwiesen“, welche nach zwei bis drei Jahren ihr Gesicht völlig verändert haben. Klatsch-Mohn zum Beispiel gehört, wie die blaue Kornblume oder die Kornrade zur Ackerbegleitflora. Die Samen wurden einst mit dem Import von Getreide (vermutlich zur Römerzeit) als Unkraut eingeschleppt. Sie alle brauchen frischen, offenen Boden, um sich jährlich weiter versäen zu können, so wie es bei der Bearbeitung von Äckern früher der Fall war. In einer geschlossenen Wiesendecke verschwinden sie allmählich.

Was zeigt sich uns an natürlichen Wiesenstandorten? Je nach Bodenbeschaffenheit, Höhenlage und Klein-Klima sind es ganz verschiedenartige Typen von Blumenwie-sen. Bestimmte charakteristische Pflanzengemeinschaften mit denselben Ansprü-chen bilden sich heraus. Eines ist ihnen fast allen gemeinsam: Sie brauchen viel Licht und Sonne!

Die Blumen-Magerwiese (Trockenrasen)

Sie finden wir fast nur noch in den Bergen an humusarmen, nie gedüngten, stark besonnten und recht trockenen Hängen. Sie ist der prachtvollste Blumenteppich, den man sich vorstellen kann, jedoch lässt sie sich auch vom besten Naturgärtner nicht einfach „herstellen“. Zudem wirkt der Schadstoffeintrag durch die Luft wie eine Volldüngung pro Jahr. Das ist oft zu viel für die langsam wachsenden, lichthungrigen Blumen. Sie werden von rasch wachsender Konkurrenz überrundet und verkümmern dann in deren Schatten. Solche Magerwiesen sollten wir deshalb als grosse Kostbarkeit schützen und bewahren, wo sie noch natürlich vorkommen. Als Garten- oder Parkvariante bleibt die Ruderalfläche (siehe Beitrag „Ruderal, Dach- und Strassengrün).

Die Blumen-Fettwiese oder Halbfettwiese

Diese entspricht den Böden, wie wir sie im Mittelland meist vorfinden: intensiv genutzt, gedüngt, nährstoffreich. Es ist ratsam, die oberste Humusschicht fünf bis 10 Zentimeter zu entfernen und dafür groben Sand und feinen Kies einzubringen. Sonst soll man die Wiese, mindestens in den ersten Jahren, mehrmals jährlich schneiden und das Schnittgut entfernen. So magern die Böden allmählich aus, was sich zu Gunsten der Blumen auswirkt. Fettwiesen können auf feuchten bis trockenen, auf vollsonnigen bis halbschattigen Standorten gedeihen. Die Pflanzengesellschaft ist dementsprechend verschieden.

Am besten kauft man sich entsprechende Wildblumen-Samenmischungen (mit Garantie aus Schweizer Produktion; siehe www.bioterra.ch, Wildblumenproduzenten oder UFA Samen in Landwirtschaftlichen Genossenschaften). Eine andere Methode ist die Direktbegrünung: sich frisches Mähgut aus bestehenden Blumenwiesen beschaffen und auf der Fläche dünn auslegen. Die Samen fallen beim Trocknen in die Erde, das darüber liegende Heu schützt sie und hält sie feucht.

Damit die mehrjährigen Pflanzen stark werden, die Wiese im ersten Jahr mehrmals mähen, so dass keine Blumen blühen. Das ist hart, lohnt sich aber auf die Dauer.

Später reichen ein Schnitt im Mai/Juni und einer im Oktober. Allerdings hängt es davon ab, wie nährstoffreich die Erde noch ist. Rasch und hoch wachsende Wiesen müssen öfters eingekürzt werden, so dass die Pflanzen nicht umfallen und sich faulige Stellen bilden.

Tipp: begehbare Wiesen

Kindern gefällt es besonders, wenn verschlungene schmale Wege oder Irrgärten aus dem hohen Gras ausgemäht werden!

Der Blumen- und Kräuterrasen

Spielflächen für Kinder müssen kurz gehalten werden. Trotzdem gibt es Alternativen zum Englischen Rasen! Wenn konsequent auf Dünger und Herbizide verzichtet wird und man die Fläche etwa 14-tägig mäht, stellen sich bald Farbtupfer wie Ehrenpreis (div. Veronica-Arten), Gänseblümchen, Vogelmire, Scharbockskraut, Löwenzahn, Klee usw. ein. Aktiv können solche Wiesen vor allem im Randbereich mit Samen oder Setzlingen von Skabiosen-Flockenblumen (Centaurea scabiosa), Margeriten (Leucanthemum vulgare), Esparsetten (Onobrychis viciifolia), Feld-Witwenblumen (Knautia arvensis) und vielen anderen bereichert werden. Besonders reizvoll sind Kräuterrasen mit Thymian und Dost, deren Duft uns bald in südliche Gegenden versetzt.

Alle Blüten ziehen Insekten an! Beste Gelegenheit, sie Kindern zu zeigen und einen respektvollen Umgang mit ihnen zu lehren.

Das Wildblumenbeet

Einfacher, als gleich eine ganze Wiese umzugestalten, ist es, ein Wildblumenbeet anzulegen. Dafür eignen sich besonders einjährige Ackerwildkräuter.

Ein paar Quadratmeter Boden ganz auffräsen oder aufhacken, etwa die Hälfte des Humus entfernen. Entsprechend groben Sand einfüllen und mit dem verbliebenen Humus mischen. Im Frühjahr eine Samenmischung einsäen, z. B. mit Sommeradonis (Adonis aestivalis), Kornrade (Agrostemma githago), Ackerringelblume (Calendula arvensis), Kornblume (Centaurea cyanus), Ackerrittersporn Consolida regalis), Gebräuchlicher Erdrauch (Fumaria officinalis), Flachs (Linum usitatissimum), Echte Kamille (Matricaria chamomilla), Klatschmohn (Papaver rhoeas), Wildes Stiefmütterchen (Viola tricolor). Samen gewinnen, im Herbst oder Frühjahr nach erneutem Aufhacken des Bodens aussäen.

Tipp: Remontieren
Ein Teil der blühenden Blumen vor der Samenbildung wegschneiden. Sie treiben dann nach und blühen ein paar Wochen später nochmals.

Tipp: Bienengerecht mähen
Studien zeigen, dass es in grossen Wiesen einen Drittel mehr Bienen und doppelt so viele Heuschrecken gibt, wenn jeweils nur die Hälfte gemäht und die andere Hälfte als Rückzugsort stehen gelassen wird.
Weiter wirkt es sich sehr günstig auf die Artenvielfalt der Kleintierwelt aus, wenn der erste Schnitt nach dem 15. Juli erfolgt.