NaturPlus-Fischingen

ein aktiver Naturschutzverein im Hinterthurgau

Ordnung muss sein

naturnahe Gärten

Ordnung muss sein - aber welche?

Wenn der Herbst seine glühenden Gold- und Rottöne versprüht hat, wenn die Blätter herunterwirbeln und die Blumen auch ihre letzten Köpfe hängen lassen, heisst es „den Garten aufräumen“. Der Laubrechen, oder noch schlimmer, der Laubbläser, wird hervorgeholt, alle Pflanzenteile werden bodeneben abgeschnitten, die Beete geräumt, umgestochen, blitzsauber gefegt. Der Rasen muss kurzgeschoren sein, Sträucher werden entwirrt und eingekürzt.

Perfekte Katastrophe

Doch: Je perfekter die menschliche Ordnung, desto perfekter die Katastrophe für die Natur und ihre Lebewesen! Aus ihrer Sicht ist es der Mensch, der mit seinem Ordnungsfimmel alles durcheinander bringt und heillose Unordnung stiftet. Alles in der Natur läuft nach bestimmten Ordnungen, nach Regeln, nach Gesetzen ab. Wer nur ein simples Blatt oder eine Blüte genau betrachtet, einen Schmetterling oder einen Vogel beobachtet, ahnt wenigstens etwas von dieser grossen Ordnung, die aber so komplex ist, dass wir sie auch mit Hilfe unserer ganzen technischen Systeme nicht wirklich erfassen oder durchschauen können.

Perfekt organisiert:

Wird es kälter und dunkler, ziehen viele Pflanzen Nährstoffe in den Wurzelbereich zurück. Dadurch zeigen sich bisher grüne Blätter in rot-gelb-brauner Farbenpracht. Zwischen Blattstiel und Ast bildet sich ein korkiger Verschluss, so dass das Blatt sich lösen kann (Mehlbeere).

In dieser natürlichen Ordnung gibt es keine Abfälle. Alles wird recycliert, umgebaut und wiederverwertet. Dazu ist der Herbst und Winter ideal. Das tote Pflanzenmaterial wird von kleinen Organismen unter der warmen und feuchten Blätterdecke abgebaut. Das tote Pflanzenmaterial wird von kleinen Organismen unter der warmen und feuchten Blätterdecke abgebaut. Eine gesunde Erde mit neuen Nährstoffen steht dann im Frühjahr wieder fürs Pflanzenwachstum bereit. Andere Kleinlebewesen brauchen zum Überwintern hohle Stängel, Moospolster, morsche Holzstücke. Wird nun alles sauber weggeräumt, erfrieren sie. Mit ihnen sterben viele Insekten und infolge der Nahrungskette auch Wildtiere wie Vögel und Igel.

Tipp:

Stellen wir uns also im Herbst mal in den Garten oder einen Park und fragen uns nicht, was da noch alles weg- und aufgeräumt werden sollte, sondern: Was können wir alles schadlos stehen lassen?

Besonders wertvoll sind:

• Laubdecken unter Bäumen und Sträuchern für kleineOrganismen
• Wiesenstücke mit hohem Gras für die Eier und Larven von Faltern und Grashüpfern
• Stauden mit dürren Stängeln für kleine Insekten
• Laubhaufen, Steinhaufen und Holzhaufen als Unterschlupf für Kleintiere
• Dornenhecken und dichtes Strauchgewirr als Schutz für kleine Vögel
• Alles, was noch Beeren und Früchte trägt, als Vogelnahrung in Notzeiten.
• Wildpflanzen mit Samenständen als Vogelfutter

Sie alle brauchen Unterschlupf und gute Verstecke, um den Winter überleben zu können:


Laub- und Asthaufen für den Igel

Ungemähte Grasstücke für die Eier der Schmetterlinge und „Heugümper“ (Eichenschrecke).

Feuchte, lockere, bedeckte Erde und Steinhaufen in ungestörten Ecken für Schmetterlingsraupen (Mittlerer Weinschwärmer) und Amphibien (Bergmolch)

Nicht alle Vögel ziehen im Winter in den Süden! Wer hier bleibt, ist auf vielfältige Futterquellen angewiesen.

Amseln, Drosseln (Wacholderdrossel) und viele andere Vögel suchen Beeren und Früchte, die im Frost noch lange hängen bleiben, wenn wir sie nicht wegschneiden.

Tönt das reichlich unordentlich?

Es ist Natur-Ordnung: Möglichst viele Lebewesen sollen die kalte Jahreszeit heil überstehen. Sie alle haben im kommenden Jahr wichtige Aufgaben zu erfüllen!