NaturPlus-Fischingen

ein aktiver Naturschutzverein im Hinterthurgau

Spiel und Spass

naturnahe Gärten



Kinder sitzen hinter dem Fernseher, dem Tablet, dem Computer, dem iPhone. Das alles ist spannend, unterhaltsam und lehrreich. Aber ist es auch genug? Erfüllen diese Spiele alle Bedürfnisse unserer Kinder? Sicher nicht diejenigen nach Bewegung, nach Begegnung, nach authentischen Erlebnissen. Im Buch von Alex Oberholzer und Lore Lässer „Gärten für Kinder“ wird es auf den Punkt gebracht:

Ein Kind ist Bewegung. Es braucht Bewegung, horizontal, vertikal, immer dann, wenn es sie nötig hat und ohne dass es bedroht wird.

Ein Kind braucht Sicht- und Lichtschutz, …um zu verdauen, zu träumen, andere Kinder zu treffen, Abenteuerliches auszudenken … um bei sich selber zu sein.

Kinder müssen zu Laut, zu Stimme, zu Wort kommen. Sie müssen sich selbst und den Lärm, das heisst die Töne, die sie fähig sind zu erzeugen, hören können. Sie haben Anspruch auf akustische Spuren, drinnen und draussen.

Kinder sind handelnde Menschen – sie haben ein Recht darauf, dort wo sie leben, aktiv tätig zu sein, das heisst zu verändern, zu gestalten, sich selbst einzurichten, um sich neu auszurichten. Nur so können sie sich üben in einer schöpferischen Auseinandersetzung mit den Menschen, Tieren, Pflanzen und Dingen, die sie umgeben.

Kinder haben das Recht, sichtbare Spuren zu hinterlassen. Es steht ihnen zu, ihr Da-sein, und ihr So-sein in Aussenräumen zu dokumentieren, indem wahrnehmbar und unübersehbar wird, dass Kinder am Werk sind. Sie brauchen Zeit und Raum, um auf dem Weg zum Erwachsenwerden persönliche Zeichen zu setzen.

Weiter wird ausgeführt, dass Kinder sonst artfremd, unmenschlich aufwachsen, dass sie Schaden nehmen und Fehlverhalten entwickeln wie Aggressionen, welche dann destruktiv und gewalttätig gelebt oder unterdrückt und kompensiert werden.

Zum spannenden Versteckspiel braucht es dichte Büsche mit verschlungenen Pfaden.



Klassische Kriterien, nach welchen Spielplätze in der Regel gebaut und eingerichtet werden, heissen: rennen, schaukeln, klettern, rutschen, hüpfen, Ball spielen.

Nach den Hinweisen von Alex Oberholzer und Lore Lässer reicht das aber keineswegs. Sind die üblichen Spielplätze oft auch reich bestückt mit vielerlei raffinierten und neuartigen Spielgeräten, so kommen Kreativität und Eigeninitiative meist zu kurz. Kinder möchten graben, buddeln, mit Sand, Erde, Wasser, Steinen, Holz und anderem Naturmaterial nach eigenen Vorstellungen gestalten dürfen. Sie möchten ausprobieren, Erfahrungen sammeln.

Der Biologe, Buchautor und Naturgartenpionier Reinhard Witt gestaltet seit vielen Jahren in seiner Wohnumgebung von Ottenhofen Natur-Erlebnisräume für Kinder. Er baut Umgebungen von Kindergärten und Schulen um. Er arbeitet eng zusammen mit den betroffenen Eltern und natürlich mit den Kindern. Sie bringen ihre Wünsche und Phantasien ein, er bringt, was möglich ist, auf die realisierbare Ebene. Schliessslich helfen alle mit bei der Umsetzung, selbst die Kinder packen mit an. Seine über 30-jährigen Erfahrungen lassen ihm keine Zweifel, dass sich Kinder in naturnahen Spielräumen besser entfalten und entwickeln können. Er durfte erleben, dass Gewalt auf dem Schulhof danach drastisch zurückging, dass Kindergartenkinder in naturnaher Umgebung stundenlang völlig vertieft und ruhig spielen konnten.

Peter Steiger, dipl. Ing. Landschaftsarchitekt und passionierter Naturraumgestalter aus Rodersdorf BL

bemerkt (Zeitschrift „naturwärts“ Nr. 45): „… Wenn die neu gestaltete Schulhausumgebung den Bewegungs- und Spielbedürfnissen der SchülerInnen entgegenkommt, kann die Umgestaltung auch einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zur Gewaltprävention leisten. … Bei der Bepflanzung von Schulhausanlagen kommt dem Erleben jahreszeitlicher Aspekte ganz wesentliche Bedeutung zu. Die bunte Abfolge von Frühblühern bis zum Herbstlaub und wintergrünen Stauden soll erlebbar werden. Walderdbeeren laden am Wegrand zum Naschen ein, Bärlauch und Thymian können für den Kochunterricht direkt vor der Türe gesammelt werden. …